• Kerstin Obermoser

Unterschied Ernährungscoaching und Ernährungsberatung

Aktualisiert: Mai 26


Was ist eigentlich Ernährungscoaching und was ist es nicht?

In der Ernährungsberatung erhältst du individuellen Ernährungsempfehlungen für eine gesunde, ausgewogene Ernährung angepasst auf dein aktuelles Anliegen, deine persönliche Situation und deinen gesundheitlichen Background. Hier steht die Wissensvermittlung und Aufklärung im Fokus. Wie ernähre ich mich in der Schwangerschaft, was darf ich essen, wenn ich abnehmen möchte, oder wie kann ich mit Ernährung z.B. meine Cholesterinwerte senken. In der Ernährungsberatung steht das „WAS“ im Vordergrund.

Die Aufklärung und Beratung ist zweifelsohne ein sehr wichtiger Aspekt auf dem Weg zu einem gesünderen, schlankeren und vitaleren Leben. Ein Ernährungsberater nimmt sich die Zeit für dein Anliegen und sieht sich deine persönliche Situation ganz individuell an.

Natürlich können wir in unserer heutigen Informationsgesellschaft auf viele Infos über das Internet oder die Literatur zugreifen. Es passiert schon mal, dass die Frage in den Raum gestellt wird, wozu ich einen Ernährungsberater benötige, wenn ich doch alle Infos im Internet finden kann. Brauche ich denn dann überhaupt noch einen Ernährungsberater?

Ich glaube wir sind uns einig, dass man eine persönliche Beratung bei einem Menschen nicht mit einem Buch oder einer Suchmaschine im Internet gleichsetzen kann. Eine persönliche Beratung kann aus vielerlei Gründen nicht durch ein Buch oder einen Artikel im Internet ersetzt werden. Ein Ernährungsberater stellt sich auf die individuelle Situation des Klienten ein und kann speziell darauf reagieren. Er verfügt über eine umfassende Bandbreite und einen guten Überblick und kann Zusammenhänge und Hintergründe sehr schnell erfassen. Wenn es aber so einfach wäre, dass wir alleine durch das Wissen unseren Idealzustand erreichen könnten, dann wären wir wohl alle wunschlos glücklich! Warum haben wir aber den für uns scheinbaren Idealzustand trotz dem umfangreichen Wissen noch nicht erreicht? Weil es meistens nicht am Wissen, sondern in der Umsetzung bzw. Implementierung in den Alltag scheitert.

Ernährungsberatung und Ernährungscoaching: Die Unterschiede

Genau an diesem Punkt der Integration in den Alltag setzt Ernährungscoaching ein. Denn das Wissen, was gut für uns wäre, ist in vielen Fällen vorhanden. Dass die Tafel Schokolade oder die Tüte Chips nicht gerade die wertvollsten und besten Nahrungsmittel für uns sind, ist uns durchwegs bewusst. Aber sie schmecken halt so lecker und lassen sich mal eben schnell vor dem Fernseher oder bei einem spannenden Buch wegfuttern.

Was passiert, wenn einem ein sehr strenger Ernährungsplan vorgesetzt wird, der alle ungesunden und kalorienreichen Nahrungsmittel und Getränke verbietet? Das wäre nicht nur eine sehr radikale Änderung von einem Tag auf den anderen, nein, es wäre auch ein gewaltiger Einschnitt in die Lebensqualität und würde einen totalen Verzicht bedeuten. Das schlägt doppelt auf die Stimmung, denn erstens ist man generell schon eher mürrisch gelaunt, weil man auf so Vieles verzichten muss und zweitens ist die Erfolgsquote bei einer so rasanten 180 Grad Wendung relativ gering. Frust und Unzufriedenheit ist somit vorprogrammiert. Die Einhaltung dieses Ernährungsplanes wäre nur mit sehr viel Disziplin zu schaffen. Aber wer will sein ganzes Leben so leben? Wie sollen über Jahrzehnte anerzogene, trainierte, kultivierte und gelebte Verhaltensmuster plötzlich ignoriert und weggedrückt werden? Sobald wir einmal in gewohnte Muster rein tappen, beginnt sich die Disziplin zu lockern und eher wir uns versehen, stecken wir im selben Dilemma wie vorher, nur ein Stück deprimierter und mit einem neuen Freund, dem „Jo-jo Effekt“. Denn ab einem gewissen Punkt ist es egal und wir holen erst einmal auf, was wir in der letzten Zeit sozusagen verpasst haben. Unser Körper reagiert gleich mit und speichert sicherheitshalber gleich mal alles im Depot ab, wer weiß, wann die nächste Ration kommt?! Man erinnert sich nur ungern an die Phase des Verzichts zurück und ist frustriert und verärgert, weil man es nicht durchgehalten hat.

Ernährungscoaching: Gemeinsam neue Verhaltensweisen implementieren

Im Gegensatz zu einem strengen Ernährungsplan und großem Verzicht ist es das Ziel des Ernährungscoachings (Ess) Verhaltensmuster aufzuspüren, zu verändern und neu erlerntes (Ess) Verhalten zu implementieren. Man könnte also sagen es geht hier um das "WIE". Gemeinsam werden Lösungsansätze erarbeitet, um die Ernährungsgewohnheiten und das Essverhalten in kleinen Schritten positiv zu verändern und in den persönlichen Alltag zu integrieren und dort nachhaltig zu verankern. Hier gibt es keinen 0815 Plan oder nur EINEN richtigen Weg. Vielmehr geht es hier um persönliche Vorlieben, alltagstaugliche Lösungen und eine typgerechten, individuellen Weg.

Jeder von uns ist aufgrund seiner Erziehung und seiner Kultur teils bewusst, teils unbewusst mit bestimmten Glaubensätzen oder Verhaltensmustern konfrontiert. Einer meiner beliebtesten war „Du musst den Teller leer essen“. So bin ich aufgewachsen und habe das jahrelang mit mir rumgeschleppt. Wie oft habe ich den Teller leer gegessen, obwohl ich gar keinen Hunger mehr hatte und schon längst mehr als satt war? Im Ernährungscoaching schauen wir uns genau solche Glaubenssätze und Verhaltensmuster an. Woher kommen sie, sind sie (noch) gut für mich und wenn ich mir ihrer bewusst bin, wie kann ich sie loslassen und Handlungsalternativen entwickeln? Wenn ich mir ihrer schon bewusst bin und in der Vergangenheit schon einiges probiert habe, um sie loszuwerden – warum hat es nicht geklappt? Woran bin ich gescheitert? Es ist sehr wichtig sich diese Punkte anzusehen, um eben diese Glaubenssätze und Verhaltensmuster nachhaltig positiv zu verändern.

Meistens wissen wir intuitiv, was gut für uns ist, wir haben die Lösung bereits schon unbewusst parat. Wir haben nur verlernt auf diese innere Stimme zu hören. Mit Ernährungscoaching möchten wir das Bewusstsein für unsere täglichen Entscheidungen, unser (Ess) Verhalten und unsere Selbstverantwortung schärfen. Eine tragende Rolle spielt hier das Thema der Selbstverantwortung. Im Ernährungscoaching geht es darum, den Klienten auf seinem Weg zu begleiten, ihm die Hand zu reichen und gemeinsam Stolpersteine zu überwinden oder aus dem Weg zu räumen. Aber gehen muss der Klient den Weg alleine. Der Erfolg des Ernährungscoaching ist somit immer vom Klienten selbst abhängig, wie sehr er bereit ist etwas zu verändern und mitzuarbeiten!

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