• Kerstin Obermoser

To detox or not to detox?

Aktualisiert: März 11

Was versteht man unter Detox?

Detox ist in den letzten Jahren zu einem Modewort avanciert. Während man mit Fasten gleich den (Nahrungs)Verzicht und die religiöse Fastenzeit im Kopf hat, umfasst Detox in meinen Augen einen ganzen Lifestyle.


Nun streiten sich ja die Geister, ob das alles nur ein Modetrend bzw. eine Geldmacherei ist, oder ob es wirklich sinnvoll ist zu detoxen. Dem Ganzen gehen wir heute auf die Spur.


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Was heißt Detox?

Detox kommt von dem englischen Wort „Detoxification“ und bedeutet Entgiftung. Aber wovon müssen wir uns „ent-giften“? Haben wir nicht Entgiftungsorgane, die sich darum kümmern? Ist unser Körper nicht so konzipiert, dass er damit allein fertig wird? Ja und nein.


Unser Lebensstil, unsere Lebensumstände, unsere Essverhalten, unsere Lebensmittel, unser Bewegungsverhalten, die Anforderungen an uns wie auch die Umweltgifte haben sich verändert. Dazu kommt eine stetige Verfügbarkeit von Essen und ein ständiges Snacken. Unser System wird dadurch immer mehr überlastet und schafft es nicht mehr in der Form zu entgiften, wie es notwendig wäre, wenn wir ihm keine Pause gönnen.


Unser Körper verfügt über ein eigenes ausgeklügeltes Müllabtransportsystem. Wenn wir aber ständig „Müll“ hinterherkippen, gehen die körpereigenen „Mülleimer“ (unsere Entgiftungsorgane) über und die Müllabfuhr kommt nicht mehr hinterher. Wenn wir nun anfangen weniger „Müll“ hinterher zu werfen oder aber ganz auf Nahrung verzichten, fängt der Körper an sich aus sich selbst zu ernähren. Das heißt, dass unsere Körperzellen bei geringer Versorgung anfängt auf eigene Reserven zurückzugreifen. Das nennt man Autophagie und diese findet insbesondere in einem Engergiedefizit statt.



Gibt es denn Schlacken überhaupt?

Das Wort „Schlacken“ kommt aus der Industrie und bezeichnet die Rückstände, die bei der Herstellung von flüssigem Eisen entstehen. Der Fastenarzt und Begründer des Buchinger-Fastens, Dr. Otto Buchinger, hat den Begriff der „Schlacken“ bzw. der „Entschlackung“ aus der Industrie erstmalig aus der Industrie auf den Körper übertragen.


Die Diskrepanz zwischen Schul- und Komplementärmedizin könnte hier nicht größer sein. Fakt ist aber, dass es Ablagerungen in unserem Körper gibt, die von beiden Seiten anerkannt werden wie z.B. Gallensteine, Zahnstein, Nierensteine oder auch Kalkablagerungen in den Gefäßen (=Arteriosklerose). Diese sind darauf zurückzuführen, dass der Körper auf der einen Seite ihm zugeführte Stoffe nicht so gut verarbeiten bzw. verstoffwechseln und über die normalen Wege ausscheiden kann Auf der anderen Seite produziert der Körper im Rahmen des Stoffwechsels Substanzen, die er nicht ausscheiden kann und im Körper ablagert, die sogenannten „Schlacken“.



Woher kommen die Schlacken & Gifte?

Es ist nicht so, dass wir per se früher eine höhere materielle toxische Belastung hatten. Viele der Gifte waren uns nicht bekannt und sind heutzutage mittlerweile verboten. Aber die Masse der Toxine auf allen Ebenen hat zugenommen.


Auf der materiellen Ebene finden wir Gifte bzw. Stoffe, die unseren Organismus verschlacken, in unserer Kleidung, unserer Kosmetik, in Putz- und Waschmitteln, aber auch in unserem Essen.

Die elektromagnetische Strahlung hat aufgrund der Digitalisierung massiv zugenommen. Wir arbeiten am Computer, rennen 24/7 mit unserem Smartphone am Körper herum, überall muss es ein noch stärkeres und schnelleres WLAN oder ein besseres Handynetz (5G) geben und in unserer Freizeit entspannen wir bei Netflix & Co.


Dazu kommt das angezogene Tempo, die ständige Erreichbarkeit, schneller, weiter, höher. Selbst Freizeit und Sport sind oft von Stress und Druck geprägt – herzlich willkommen im Optimierungswahn.


Wir alle leiden unter einem massiven Zeitmangel. Was dann gerne schnell zu kurz kommt ist eine gesunde Ernährung. Es muss schnell gehen, gut schmecken und billig sein. Drei Faktoren, die zu unserer Verschlackung beitragen. Denn das führt oft zum Kauf von Fertigprodukten, die voll von Geschmacksverstärkern, Farb- und Aromastoffen sind und am besten noch in der Mikrowelle erwärmt werden. Oder der schnelle, fettige Imbiss aus billigen Lebensmitteln aus konventioneller Landwirtschaft, die mehr Pestizide, Herbizide oder Fungizide bei oft geringerem Nährstoffgehalt enthalten. Diese nehmen wir dann noch to-go, nebenbei, vorm Computer oder zwischen Tür und Angel ein und belasten unser Verdauungssystem zusätzlich in dem wir nicht ausreichend kauen, das Essen schnell hinunterschlingen und on top noch mit zuckerhaltiger Limonade nachspülen. Ja, ich weiß, dass das jetzt das worst case szenario ist und vielleicht etwas übertrieben und provokant – dadurch aber nicht weniger wahr oder selten.


Aber auch an Psychohygiene und der „richtige“ Entspannung fehlt es uns heutzutage oft. Denn mit Entspannung und „Abschalten“ meine ich nicht das Chillen auf der Couch vor dem Fernseher. Einmal richtig „abschalten“, am besten in der Natur. Ohne Ablenkung von außen, in Ruhe und für sich - das wäre ein Detox auf allen Ebenen – back to the roots.


In unserer Leistungsgesellschaft haben wir das alle schon fast verlernt. Oft müssen wir erst körperlich oder seelisch krank, oder der Druck sehr hoch werden, bis wir unser Tun hinterfragen und anfangen unseren Körper, unseren Geist und unsere Seele zu entschlacken und zu entgiften.


Das heißt, dass wir heutzutage weit entfernt von unserer ursprünglichen Lebensweise sind, auf die unser Körper ausgerichtet ist. Kurzum: Verarbeitete Nahrung im Überfluss, wenig Bewegung, viel Stress, ständige Erreichbarkeit, Medienberieselung von außen, mehr Umweltgifte, Elektro- und Lichtsmog sowie weniger Zeit zum Nichtstun und Entspannen. Und das soll unser System noch ganz allein schaffen?



Wie kann Detox aussehen?

Es gibt verschiedene Arten zu entschlacken oder zu entgiften – hier ist das Angebot breit. Im Allgemeinen wird bei einer Detox-Kur auf bestimmte (Reiz)Stoffe wie z.B. Koffein, Zucker oder Alkohol verzichtet und verarbeitete Lebensmittel, Gluten, tierische Lebensmittel weggelassenen und durch gesündere, natürlichere und nährstoffreichere Nahrungsmittel ersetzt. Ergänzend werden zusätzlich verschiedene Präparate wie Tees, Nahrungsergänzungsmittel etc. empfohlen.


Durch das körperliche Loslassen und die Versorgung durch nährstoffreiche natürliche Lebensmittel wird man generell etwas „feinstofflicher“ und achtsamer und beginnt auch auf anderen Ebenen loszulassen und zu entgiften. Man ist mehr bei sich und hört auf die Signale seines Körpers, seiner Seele und gönnt sich mehr Ruhe und Rückzug.



Fazit: Detox ja oder nein

In meinen Augen sollte jeder von uns regelmäßig den Reset-Button auf allen Ebenen drücken. Gerade in der heutigen Zeit empfinde ich es als äußerst wichtig und notwendig sich regelmäßig zurückzuziehen, loszulassen, zu reinigen und neue Kraft & Energie zu tanken.


Aber eines ist mir hierbei noch wichtig: Nur weil man regelmäßig detoxt, heißt das nicht, dass man in der Zeit dazwischen leben sollte wie ein Rockstar 😉


Wie sich ein Detox vom klassischen Fasten unterscheidet und welche Fastenarten es gibt, erfahrt ihr demnächst in einem eigenen Beitrag.



© 2021 by Kerstin Obermoser